Ungewisse Zukunft, wenn das Zurückblicken Wehmut bedeutet

  • Während die Insel, die lieb gewonnene Heimat am Horizont immer kleiner wird und dennoch durch unzählige Feuer und Blitze so nah erscheint, blickt Wenzel betrübt über die Brüstung des Schiffes hinüber zum Feuerwerk. Alles Leben mussten sie überhetzt zurück lassen. All die Tiere, die Ihnen das Leben annehmlich machten. Vielleicht haben sie Glück und man nimmt sie als Kriegsbeute mit. Ein Glück das nach Worten des Boten vor ein paar Tagen den Bewohnern Sichelmonds verwehrt wurde. Mit nichts wurden jene die fliehen würden wie Vieh auf die Schiffe getrieben. Zu groß war die Angst mit jedem Bündel mehr zuviel Zeit zu verlieren und nicht mehr im Dunst der Wolken davon zu kommen. Mit Sicherheit war es begründet, hatte eine große Flotte immer einige schnelle Schiffe übrig, um den Flüchtenden nachzusetzen.


    Und doch stand er jetzt so da, seinen Sohn Ulrich fest und sicher umklammernd und blickte wehmütig zurück. Die letzten Tage passierten sein Gedächtnis und er musste unweigerlich an den Abend in der Taverne denken. Nur wenige hatten sich auf gemacht, um das Bier zu vernichten und doch tauchte spät am Abend dieser Kauz Morton Scharfblick mit einer abenteuerlichen Geschichte am hölzernen Tisch auf. Alle taten es als Hirngespinst ab und niemand nahm den Einsiedler vom See ernst. Immerhin war es noch nicht lang her, da hatte dieser seine eigene Behausung in Brand gesetzt. Gut möglich also, das er mit neuem wirren Anfall das ganze Eiland in Schutt und Asche legen wollte.


    So unglaubwürdig wie dessen Geschichte, so erstarrt blickte Wenzel beim Eintreffen des Boten, der die schlechte Nachricht überbrachte. Sofort hallten die Worte hervor... Invasion, Plünderung, Vergewaltigung, Mord und Totschlag... nichts würde mehr zu retten sein und niemand würde verschont werden. Wie damals schon fragt sich Wenzel jetzt wieder woher der meist abgeschirmt und verborgen lebende Scharfblick dies zu wissen schien. War es nur ein Zufall oder ist er ein Spion? Möglicherweise auch ein Hexer oder schlimmer. Er würde ihn im Auge behalten, sollte er Ihn je wieder zu Gesicht bekommen.


    Es geschah so schnell. Nichts wurde Ihnen gesagt. Nicht mehr als das arbeitende Volk wissen musste. Es war wie immer. Man spann Intrigen und Bündnisse, sorgte sich um eine festliche Tafel am Hofe und ließ das Volk solange von der Kette, wie sie brav diesen ganzen Irrsinn erarbeiteten. Dabei suchte man sich immer ein paar besonders redselige heraus, die mit glitzernden, edlen Siegeln versehen sich wie Könige fühlen durften und am Ende doch nur die großen aller Narren waren. Fiel das Machwerk schließlich ein, so wie jetzt, waren jene hart arbeitenden Menschen die größten Verlierer. Ein Sohn von einem Herrscher, war eben immer noch der Sohn eines hoch wohl geborenen Adelsgeschlechts. Er würde etwas wimmern, den nächsten Tag schon vom heimlich aufs Schiff gerollten Wein trinken und beim Anlanden wo auch immer mit goldenen Siegelring und emsig erarbeiteten Depeschen dafür Sorge tragen das sein edles Leben schnell wieder so sei, wie es vor dem Sturm gewesen war.


    Doch was hatte das Volk... es durfte Leben! Leben... Wenzel blickt auf Ulrich, der das Ganze wacker wegsteckt und weiterhin schläft wie ein Stein. Es mag am Schunkeln des Schiffes liegen. Wenzel hofft, das es noch etwas gut wirkt. Dann blickt er zu Drifa seiner Frau. Er versucht die Angespanntheit wegzulächeln, aber er merkt auch es gelingt ihm nur mäßig. Weiter drüben fängt er Brynja ein, die das ganze scheinbar als ein Abenteuer auffasst. Zumindest glaubt er das in Ihren Augen zu sehen... oder er bildet es sich nur ein. Auch sein Bruder Siegfried ist nah bei Ihnen. Er scheint auch etwas Wehmut zu empfinden. Zumindest hat er einige Falten im Gesicht, die Wenzel das anzeigen. Er selbst, ja was empfindet er selbst? Gerettet? Frei? Erleichtert? Nichts von all dem! Sorgen hat er seiner Familie gegenüber und den Freunden.


    Wohin wird es sie verschlagen, werden Sie es besser haben, als hier auf diesem morschen Kahn, dessen Segel schon lang keinen Zwirn mehr gesehen haben? Er weis es nicht. Langsam sinkt er auf die Knie, dreht sich um und setzt sich hin. Ulrich fest und umsorgt auf dem Arm. Er zieht die Decke um sich und deutet Drifa an sich neben Sie zu setzen. Vielleicht sollte er etwas schlafen und all die Last, den Wehmut und die Sorgen auf diesem Schiff zurück lassen....